Flow - Ein Schritt hinaus
aus der Komfortzone

Sonntag, 22. Juni 2014

In letzter Zeit habe ich an vielen Stellen von einem mehr oder weniger neuen Magazin gehört: Flow. Bis zu dem Tag, als ich in Bines Zeitschriftenpost zum ersten Mal davon gelesen hatte, war es mir völlig unbekannt. Ansich kaufe ich mir nicht gleich jedes Magazin, von dem ich irgendwo mal höre, aber hier hat es sich so sehr gehäuft, dass ich richtig neugierig geworden bin - allerdings war es fast überall vergriffen, wo ich danach gefragt habe. Letzten Montag dann, hab' ich sie am Dortmunder Bahnhof entdeckt.

Ehrlich gesagt war ich ja etwas skeptisch und hatte mir irgendwie vorgenommen sie nicht zu mögen, weil ich es nicht leiden kann, wenn bestimmte Dinge so extrem gehypt werden. Ich kam auch erst am Abend dazu, mir das Magazin anzuschauen und musste meine Vorbehalte doch recht schnell in den Wind schießen, denn auch mir gefällt "Flow" sehr gut. Besonders toll finde ich, dass es zwar viele Fotos und Grafiken gibt, ich aber nicht das Gefühl habe, ein Bilderbuch in der Hand zu halten. Es gibt lange und (viel wichtiger) sehr interessante Texte darin.



Ich will das Magazin jetzt auch gar nicht wirklich vorstellen, analysieren oder groß anpreisen. Als mich meine Kolleginnen dann nämlich fragten, worum es darin denn überhaupt geht, konnte ich es gar nicht so genau sagen. Irgendwie geht es um jeden Einzelnen, aber auch um das große Ganze, es geht um Körper und Geist, um Menschen und Kreativität, es geht um Inspiration und Gedankenimpulse und letztlich ist "Flow" wohl für jeden individuell anders. Von daher solltet ihr einfach selbst mal rein schauen :o)

So viel sei noch gesagt: "Flow" kommt ursprünglich aus den Niederlanden und wurde im letzten Jahr von Gruner+Jahr lizensiert. Laut wikipedia bezeichnet Flow "das Gefühl der völligen Vertiefung und des Aufgehens in einer Tätigkeit, auf Deutsch in etwa Schaffens- bzw. Tätigkeitsrausch oder Funktionslust." Klingt also doch irgendwie nach purer Motivation, oder nicht?!

Ein Artikel hat mich ganz besonders zum Nachdenken gebracht, wahrscheinlich, weil mir dabei klar wurde, wie sehr das alles in irgendeiner Form auch auf mich selbst zu trifft - es gab eine Menge Aha-Effekte während des Lesens. Im Artikel "Leben wagen" geht es nämlich um die persönliche Komfortzone, aus der wir uns fast nie und wenn nur sehr ungern herauswagen.

In dem Artikel sagt die Autorin und Karrierebraterin Svenja Hofert beispielsweise, dass sich viele "... nur deshalb vor dem Neuen [scheuen], weil sie das Risiko nicht einschätzen können. Ob das Unbekannte so gut sein wird wie das Vertraute, weiß man vorher ja nicht.". Da musste ich gleich an mich selbst denken, denn ich bin ja erst Anfang März nach Hamburg gezogen - nach sechseinhalb Jahren in einer WG in Stuttgart (wo ich mich nie wirklich zuhause gefühlt habe, weshalb ich auch jedes Wochenende weg gefahren bin) und viereinhalb Jahren Fernbeziehung (wo man die Zeit schon viel früher wirklich gemeinsam hätte verbringen sollen).



Aber es war genau das, was Frau Hofert sagte: Ich hatte mich irgendwie in meiner Situation eingerichtet und damit arrangiert, es passte für mich und ich klammerte mich an die Vorstellung, was irgendwann alles sein könnte. Dass dabei aber einfach wertvolle Jahre ins Land streichen, die man nie mehr zurück bekommt, darüber hab' ich nie wirklich nachgedacht. Erst jetzt, als ich mich nach all der Zeit endlich aus der Komfortzone (die ja eigentlich gar keine war) heraus traute, wurde mir bewusst, wie viel schöner es sein kann. Ich bin ganz kurzer Zeit richtig aufgeblüht, was vielen Freunden positiv aufgefallen ist. Und ich hab' nur so lange im alten Trott verharrt, weil ich lange nicht das gesehen habe, was schöner werden kann, sondern nur das, was schief gehen könnte. Doch es hat sich mehr als gelohnt :o)

Dabei muss es nicht mal ein so großer Schritt sein wie ein über 700 Kilometer weiter Umzug in eine unbekannte Stadt. Mit kleinen Schritten kann man ganz leicht die Komfortzone erweitern: "... einen anderen Weg zur Arbeit nehmen, im Restaurant statt zu Hause frühstücken, allein ins Kino gehen oder mit Zutaten kochen, die man sonst nie benutzt." Auch da habe ich nämlich gemerkt, dass ich immer den gleichen Weg zur Arbeit gehe, obwohl es so viele Möglichkeiten gibt, dass ich im Schwimmbad immer die gleiche Schrankecke zum Umziehen und die gleiche Dusche zum Abbrausen nehme, dass ich mir bei meinem Schneiderkurs sogar immer das gleiche Nadelgläschen raus suche und im Spanischkurs auch lieber auf dem immer gleichen Platz sitzen möchte - total blöd, bei so banalen Dingen!

Wahrscheinlich ist es wirklich so, dass ich all das mache, weil ich es gewohnt bin, weil ich weiß, dass es so gut funktioniert, weil ich mich damit wohlfühle und tatsächlich Angst habe, dass es schlechter sein könnte, wenn ich es mal anders mache. Aber - und das muss ich jetzt wirklich mal ganz fett schreiben - bisher habe ich auch immer wieder festgestellt, dass es in bestimmt 98 Prozent der Fälle besser wurde, wenn sich etwas geändert hat (und die übrigen 2 Prozent kann man wirklich vernachlässigen). Was könnte mir denn schlimmstenfalls passieren, wenn ich mir im Schwimmbad mal einen anderen Spint und damit einen anderen Platz zum Umziehen suche?! Wenn es mir da partout nicht gefällt, kann ich mir beim nächsten Mal ja wieder den altbekannten Spint aussuchen.

Wenn ich das so lese und darüber nachdenke, muss ich der niederländischen Fotografin und Lebensberaterin Frederike Dekkers Recht geben: "... wer in seinem Leben keine Unsicherheit zulässt, wird irgendwann unflexibel." - und das ist wirklich das letzte, was ich will. Ich verstehe auch noch nicht ganz, warum mir bestimmte Dinge, bei denen viele Andere zurückschrecken würden, so leicht fallen und ich bei anderen, oft eigentlich banalen Dingen regelrecht Herzrasen bekomme.



Und wenn man sich dann doch überwindet und traut aus der eigenen Komfortzone heraus zu treten, pfeift uns der innere Schweinhund wieder zurück - so ein Fiesling! Den sollten wir also besser einfach ignorieren und viel eher auf unsere innere Stimme, unsere Intuition hören wie die neuseeländische Autorin, Menschenrechtsanwältin und Fotografin Marianne Elliott sagt, die würde uns nämlich nie einfach von irgendwas abhalten wollen: "Es gibt einen gravierenden Unterschied zwischen jener Stimme, die dir vernünftige Vorschläge macht, welche Schritte du unternehmen solltst, um erfogreich zu sein, und der Stimme, die versucht dir Angst einzujagen, um dich von deinem Weg abzubringen."

Die US-Psychologin Judith Sills bringt es in dem Artikel noch mal auf den Punkt: "Egal, wie langweilig oder quälend du es in deiner Komfortzone findest, wenn dich nichts hinauszieht, wirst du bleiben, wo du bist." Von daher habt Träume, Wünche, Hoffnungen, seid kreativ und inspiriert, seid aktiv und probiert immer wieder etwas neues aus, seht die Komfortzone als Rückzugsort, aber nicht als alleinigen Lebensmittelpunkt - klingt doch gut, oder?!

Oft denke ich ja, dass man in solche Themen einfach viel zu viel hinein interpretieren kann und jeder seinen Senf dazu geben muss, aber irgendwas Wahres ist da schon dran, egal wie man es jetzt benennt oder bezeichnet. Von daher werde ich mir mal ein paar Dinge überlegen, wie ich meinen Alltagstrott etwas unterbrechen und dabei eine ganze Menge toller Dinge erleben kann :o)

Was haltet ihr von all dem Kram? Bei welchen Dingen merkt ihr, dass ihr eure persönliche Komfortzone verlasst? Fallen euch Veränderungen schwer oder freut ihr euch immer wieder über neue Dinge?

Pictures of life | No. 4 // Gelb

Donnerstag, 19. Juni 2014

Bei meiner Suche nach dem Gelb im Leben, war ich überrascht, wie wenig Gelb ich finde - dabei ist die Welt doch voll davon! Jetzt, wo ich den Post schreibe und die Fotosuche eigentlich abgeschlossen ist, muss ich mich nur einmal kurz umschauen und schon sehe ich wieder fünf neue gelbe Motive. Es ist spannend zu sehen, wie sich der Blick verändert, wenn man sich eine Aufgabe setzt.

Erwartet hätte ich, dass mir alles Gelbe nur so ins Auge springt, wenn ich bewusst danach schaue, aber so war es nicht und das hat mich verblüfft. Ich dachte plötzlich, die Welt bestünde nur noch aus Blau, Grün, Rot, Orange, Lila und all den anderen Farben, aber eben nicht aus Gelb. Vermutlich bin ich doch zu blind durch die Gegend gelaufen, mit dem Alltagsstress im Nacken.

Das Tolle aber ist, dass ich auch diese Erfahrung mal machen durfte und beim nächsten Mal vermutlich wieder etwas anders an die Sache herangehen werde. Ich lerne eine Menge über Wahrnehmung, darüber auch mal auf Details zu achten und nicht immer nur das Ganze zu sehen, ich lerne, die Augen für Kleinigkeiten zu öffnen und entdecke viele schöne und vor allem banal alltägliche Dinge, die ich so vorher nicht wahrgenommen habe.

Mir geht natürlich immer noch genauso viel durch die Lappen. Ich denke oft, wenn ich ein Foto gemacht habe und es später am Computer betrachte, dass zum einen Belichtung, Farben etc. ganz mies sind, aber zum anderen auch, dass der Ausschnitt einfach nicht gut gewählt ist. Es fällt mir noch schwer an alles gleichzeitig zu denken, weil mir die Übung fehlt. Aber mit jedem Foto, das ich mache, kommt ein kleines bisschen Erfahrung dazu - das gefällt mir.



Dem Gelb wurde dieses Mal vielleicht nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die es verdient hätte, aber ich denke es bekommt (oder besser es gibt mir) irgendwann noch mal eine zweite Chance. Was mir auffiel ist auch, dass ich überwiegend Blumen fotografiert habe, dann die Deutsche Post und Dinge an der Straße. Aus dem Haushalt hat es kaum was in meine Sammlung geschafft außer vielleicht der Zitrone. Dabei liegt hier neben mir ein gelbes Kissen, wir haben die letzten Tage häufig einen gelben Zollstock benutzt, ich hab' vor ein paar Tagen eine leuchtend gelbe Serviette fürs Obst essen benutzt und die Post-its, die ich auf der Arbeit nutze strahlen mich auch jeden Tag gelb an.

Es liegt also wirklich alles direkt vor mir und ich sehe es oft nicht. Ein guter Grund die Augen bei den nächsten Pictures of Life rund ums Thema "Fußball" noch ein bisschen weiter zu öffnen :o)

Habt ihr auch nach dem Gelb um euch herum Ausschau gehalten? Was habt ihr gefunden? Ist euch dabei etwas Besonderes aufgefallen?

Short Stories | No. 5 // I love to blog!

Mittwoch, 18. Juni 2014

Eigentlich wäre es letzte Woche Zeit gewesen für meine Short-Story zum Thema I love to blog!. Warum ich sie da aber nicht geschrieben habe, ist ein ganz wichtiger Punkt in meiner Geschichte. Aber dazu später mehr. Als ich vor etwas mehr als einem Monat auf Bines und Andreas Short Stories aufmerksam geworden bin, war es genau dieses Thema, zu dem sie unsere Geschichten hören wollten. Noch vor fünf Wochen hätte ich allerdings nicht gewusst, was ich dazu schreiben sollte. Doch in mehr als 30 Tagen kann eine Menge passieren und mir ist ein bisschen was bewusst geworden. Aber alles der Reihe nach ...

Schon Anfang der 2000er hab' ich mich für Blogs interessiert. Damals gab es überwiegend politisch geprägte Blogs oder solche, auf denen allgemeine Kolumnen veröffentlicht wurden. Ich fand die Vorstellung schön, regelmäßig über ein bestimmtes Thema zu schreiben und dabei meine Gedanken einfließen zu lassen. Doch damals wollte mir einfach kein Thema einfallen, dass meiner Meinung nach interessant genug gewesen wäre, um es in ein Blog zu schaffen.



In den Folgejahren war das dann so eine On-Off-Liebe: Es gab Momente, da habe ich überhaupt nicht mehr darüber nachgedacht, weil mich andere Dinge beschäftigten und dann gab es solche, in denen ich wieder darüber gegrübelt habe, zu welchem Thema ich bloggen könnte, aber nie fiel mir etwas ein, dass ich tatsächlich über längere Zeit hätte verfolgen können. Da habe ich immer meinen Opa und meinen Onkel bewundert - beide hatten Themen, die sie leidenschaftlich verfolgten. Opas Liebe galt der Eisenbahn (er war "Königlich preußischer Eisenbahnhistoriker" und hat sogar ein Buch über "Die Eisenbahngeschichte im Goldenen Grund" geschrieben) und die meines Onkels den Sängern der 1950er-Jahre. Um diese Leidenschaften hab' ich die beiden immer irgendwie beneidet.

Doch bei mir gab es (und gibt es eigentlich auch heute noch nicht) keine solche Sache, die mich so sehr in ihren Bann zieht - was ich immer noch sehr schade finde. Ich interessiere mich einfach für zu viele Dinge, als dass es die eine Sache geben würde. Doch das war genau das, was es meiner Meinung nach geben musste, um ein Blog zu starten. Also blieb ich erstmal bloglos.

Anfang 2005 habe ich dann aber eine Seite entdeckt, auf der online Tagebuch geschrieben wurde und habe mich dort angemeldet. Es war einfach über Dinge zu schreiben, die ich täglich erlebe, und es hat Spaß gemacht. Auch war ich in dieser Zeit froh, ein paar Dinge los zu werden, aber irgendwann wurde es mir doch zu persönlich, irgendwann wollte ich Dinge in mein Tagebuch schreiben, die ich aber nicht aller Welt erzählen wollte und habe mit dem Online-Tagebuch-schreiben wieder aufgehört - das war nicht das, was ich eigentlich wollte.

Schreiben wollte ich aber trotzdem irgendwie weiter und als in den letzten Jahren Blogs anderer Art entstanden sind, die einfach über alltägliche Dinge, Do-it-yourself-Ideen, Handarbeiten, Koch- und Backprojekte, etc. berichten, wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass dies vielleicht doch jemanden interessieren könnte. Ich weiß nicht, warum ich es damals (Mitte der 2000er) nicht einfach ausprobiert habe. Stattdessen habe ich über teilweise ganz merkwürdige Blogs nachgedacht: ein Blog, bei dem ich mir jeden Tag ganz willkürlich ein Wort aus dem Lexikon aussuche, um darüber zu schreiben (ich dachte, dadurch hätte ich zumindest jeden Tag ein Thema) oder ein Tee-Test-Blog (ich hatte eines gefunden, das Schokoriegel jeglicher Art aus aller Welt testet und dachte, dass man das doch auch mit Tee machen könnte - gescheitert ist es daran, dass ich nicht nur zwei Teebeutel kaufen kann und ja alle paar Tage eine neue Sorte ausprobieren müsste) oder ein Buch-Blog (ich lese sehr gerne, aber danach die Bücher zu beschreiben und meine Meinung dazu zu verfassen, hat mir keinen Spaß gemacht - außerdem ist es mit drei oder vier Büchern im Monat, die ich lese, auch etwas zu wenig für ein Blog nur zu diesem Thema) oder oder oder ... Natürlich wurde nichts draus, auch weil ich vieles einfach "zerdacht" habe.



Im letzten Jahr dann, irgendwann im Mai hab' ich mich wieder mal mit Blogs beschäftigt und ein paar gefunden, die mir inhaltlich sehr gut gefielen. Dabei dachte ich nur "Darüber kann ich wirklich schreiben? Das interessiert jemanden?!" Spontan habe ich mich dann dazu entschlossen einfach auch mal ein Blog zu starten, hab' mir bei blogger einen Account erstellt und losgelegt. Damals dachte ich noch, dass ich ganz viele DIYs vorstellen würde und überhaupt irgendwie so sein müsste, wie die Blogs, die mir so gut gefallen haben.

Das Problem dabei war nur, dass ich zwar super gerne bastle, werkle und kreativ bin, aber es lange Jahre gar nicht mehr war. Seit 2007 habe ich in Stuttgart in einer WG gewohnt und bin jedes Wochenende entweder zu meinen Eltern oder zu meinem Freund nach Hamburg gefahren, war also nie wirklich da. So hatte ich nicht nur keinen Platz, sondern durch die viele Pendelei neben meinem Job auch schlicht und einfach keine Zeit für kreative Projekte. Ich hab' mich dann aber selbst dazu überredet dies und das zu machen, einfach nur, weil ich es ja auf meinem Blog zeigen "musste".

Manches davon war gut, wegen meinem Blog hab' ich damals überhaupt erst mit dem Parkhaus-Projekt angefangen und es war eine tolle Sache. Anderes allerdings hab' ich nicht so sehr mit Freude gemacht, aber deshalb, weil ich ein Postthema brauchte. Und all das nur, weil es auf anderen Blogs eben auch so war. Das war kein guter Anfang für ein Blog, weshalb ich auch nicht mal ganz drei Monate durchgehalten und dann einfach nichts mehr gemacht habe. Ich bin irgendwann den Posts nur noch hinterher gerannt, hab' geschrieben, weil ich "musste" und meine Zeit nur noch da rein gesteckt. Das war gar nicht gut.

Ich kann nicht erklären, warum ich jetzt im Mai - fast genau ein Jahr nach meinem Blogstart 2013 - plötzlich wieder daran dachte und weiter gemacht habe. Es ist nur so, dass es sich in diesem Jahr anders anfühlt. Ich hab' festgestellt, dass es vielen Bloggern ganz ähnlich geht wie mir. Katharina von Stich & Faden beispielsweise schrieb in ihrer Short Story zum Thema: "Was ich hier schreibe, das bin 100% Ich und auch authentisch [...]". Dabei dachte ich gleich, dass das bei mir nicht der Fall war, denn wie ich in meinem Kommentar zu ihrem Post schon schrieb, fällt es mir manchmal schwer, etwas zu schreiben, weil ich immer denke, irgendwelche Erwartungen erfüllen zu müssen, die wahrscheinlich gar nicht existieren, aber von den vielen (durchaus schönen) "Hochglanzblogs" doch irgendwie suggeriert werden. Das war wohl auch einer der Gründe, weshalb mir 2013 die Lust verging, weil mein Blog da eben noch nicht wirklich 100% Ich war.

Auch Annette von Blick7 hat in ihrem Post Mein Leben | himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt etwas geschrieben, was bei mir ganz ähnlich ist: "Damit das Bloggen aber nicht auch noch zur Last wird, was es in den letzten Monaten leider wurde, habe ich nun beschlossen, dass ich nur noch das blogge, was mich gerade beschäftigt und was es zu erzählen gibt. Ohne großen Plan dahinter und ohne viele to-do-Listen. Ohne tausend Mal umschreiben, Fotos neu machen, Selbstzweifel und große Vergleiche mit anderen Blogs. Ich mach jetzt mein Ding. Auch wenn das für viele Leser vielleicht bisher nicht so aussah - jeder Post wurde hier irgendwie künstlich verkompliziert."

Zum ersten Mal habe ich eine Art Blogplaner und es ist gut so. Aber genau wie Annette, fange ich doch immer wieder damit an mich mit Blogs zu vergleichen, die mir fünf Jahre (!) voraus sind. Alles, was ich jetzt lerne, haben sie schon hinter sich. Wie also soll oder kann ich überhaupt so gut sein wie sie?! Ich bewundere die Fotos vieler Blogs, die wirklich toll und mit viel Liebe zum Detail gemacht wurden und ich wäre froh, wenn meine Fotos genauso aussehen würden wie ihre. Aber im Moment tun sie das einfach nicht, weil mir die Übung fehlt, weil ich zwar viel knipse, aber mich noch nie bewusst mit der Kamera auseinandergesetzt habe, weil ich noch nie wirklich Food-Fotografie betrieben habe, weil ich auch nicht so viel Zeit habe, mich von morgens bis abends damit zu beschäftigen, weil mir noch tausend andere Gründe einfallen, warum meine Fotos im Moment nicht so toll aussehen wie auf anderen Blogs. Aber ist das wirklich so schlimm? Mit der Zeit kommt die Übung, damit die Erfahrung und am Ende entstehen tolle Fotos.



Genauso ist es mit den Posts selbst. Auf anderen Blogs finde ich immer wieder Beiträge, die mir super gut gefallen und so soll es ja auch sein. Mich beeindrucken die tollen, kreativen Ideen vieler Blogger und ich lese mit Spannung deren Posts. Und klar, ich möchte auch so gute Beiträge verfassen, wenn ich das bestreite, würde ich lügen. Aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass meine Posts dann auch wirklich genauso sein müssen, wie die anderen. Ja richtig, die Blogger, die mir gefallen, haben eine Menge Leser, aber genauso richtig, sie haben auch mal klein angefangen. Und ich freue mich jetzt schon sehr über die lieben Kommentare, die ich bisher bekommen habe und die Leser, die meinen Blog tatsächlich verfolgen.

Ich möchte nicht mehr meinem Blog oder den Posts nachjagen, ich möchte nicht mehr DIYs machen, deren Ergebnisse ich nie nutzen würde, nur damit ich was zum posten habe, ich möchte nicht mindestens fünf Mal in der Woche schreiben müssen, wenn ich dafür eigentlich keine Zeit habe und vor allem möchte ich kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich eben mal drei Tage Pause zwischen zwei Posts mache. Dann nämlich macht bloggen gar keinen Spaß und das ist schade.

Doch I love to blog!, weil es mir Freude macht, neue Dinge auszuprobieren und darüber zu schreiben (auch oder gerade über Fehlschläge, denn nicht immer funktioniert alles, was man das erste Mal ausprobiert), weil ich Dinge, die ich entdeckt habe, anderen gerne zeigen möchte, weil ich Momente meines Lebens festhalten und manche davon auch mit anderen teilen möchte, weil ich durch mein Blog Dinge tue, die ich sonst vielleicht nie getan hätte, weil ich durchs Bloggen wahnsinnig nette Leute kennen lerne und viele tolle Erfahrungen mache. Ich möchte es erstmal nicht mehr missen - aber auf meine ganz eigene Art :o)

Was andere Blogger das Bloggen lieben, sollte ihr euch unbedingt bei den Mai-Short-Stories anschauen - da gibt es eine Menge spannender Geschichten!

Himbeer-Philadelphia-Torte

Sonntag, 15. Juni 2014

Gestern hatte meine Oma Geburtstag, 85 ist sie schon geworden - ein stolzes Alter und ich bin sehr froh, dass sie noch so fit und immer fröhlich ist! Wir haben sie dann natürlich auch gefragt, welchen Kuchen sie sich wünscht: eine Himbeer-Philadelphia-Torte. Ein etwas aufwändiger, aber ansich sehr simpler Kuchen, ganz ohne Backen.

Eigentlich wollte ich ihn am Freitagabend noch machen, als ich mit meinem Freund aus Hamburg kam. Da wir aber erst gegen 23 Uhr da waren, war ich ehrlich gesagt ganz froh, dass meine Mama ihn schon fast fertig hatte. Ich hab' ihn also nicht selbst gemacht, will ihn euch aber nicht vorenthalten :o)



Zutaten

200g Himbeeren // 200g Zucker // 125g Butter // 100g Löffelbiskuits // 75g Amarettini // 9 Blatt Gelatine //
400g Doppelrahm-Frischkäse // 300g Vollmilch-Joghurt // 1 Pk Vanillezucker // 250g Schlagsahne //
2 Beutel Götterspeise (Himbeer-Geschmack; für je 250ml Wasser)

Verzierung

150g Sahne // ca. 14 Amarettini (je nachdem wie viel Kuchenstücke ihr habt)

Und so geht's

Zuerst bestreut ihr die Himbeeren mit 50g Zucker. Anschließend lasst ihr die Butter schmelzen und vermischt sie mit den zerbröselten Löffelbiskuits und Amarettini. Danach ölt ihr den Boden einer Springform mit etwa 26cm Durchmesser mit Öl ein und drückt die Bröselmasse darauf zu einem glatten Boden. Das ganze dann für ca. 30 Minuten kalt stellen. Tipp: Wenn euch das zu umständlich ist, könnt ihr auch einen fertigen Tortenboden nehmen - das hat Mama am Freitag auch gemacht ;o)

Während das ganze im Kühlschrank abkühlt, weicht ihr die Gelatine in kaltem Wasser ein, püriert die Himbeeren und streicht sie durch ein Sieb. Danach drückt ihr 3 Blatt der Gelatine aus, löst sie in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze auf und verrührt sie mit dem Himbeerpüree. In einer anderen Schüssel vermischt ihr Frischkäse, Joghurt, Vanillezucker und 100g Zucker zu einer cremigen Masse.



Die übrigen 6 Blatt Gelatine, die noch im Wasserbad liegen, drückt ihr nun auch aus, löst sie ebenfalls in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze auf und rührt 3-4 EL der Käsecreme darunter. Wenn alles gut vermischt ist, rührt ihr es unter die restliche Käsecreme. Anschließend noch die Sahne steif schlagen und ebenfalls unterheben. Ein Drittel dieser Creme gebt ihr dann auf den Kuchenboden und streicht sie glatt. Darüber noch etwa die Hälfte des Himbeerpürees in Kleksen auf der Creme verteilen und die Torte für weitere 10 Minuten kalt stellen.

Nach der Ruhezeit wiederholt ihr das Ganze noch mal mit einem Drittel der Käsecreme und dem restlichen Himbeerpüree und stellt die Torte wieder für 10 Minuten kalt. Danach kommt die restliche Käsecreme drüber und alles wird für ca. 1 Stunde kalt gestellt.

Etwa nach der Hälfte der Ruhezeit könnt ihr mit der Götterspeise anfangen. Dazu rührt ihr die Götterspeise mit 100 ml kaltem Wasser an und lasst sie etwa 5 Minuten quelln. Danach gebt ihr 50g Zucker dazu und erhitzt es unter ständigem Rühren, bis alles gelöst ist, es darf aber nicht kochen. Anschließend den Topf von der Kochstelle nehmen, 100 ml kaltes Wasser einrühren und die Götterspeise abkühlen lassen.

Zuletzt gießt ihr die Götterspeies auf die Torte und stellt diese noch mal für mindestens 3 Stunden kalt. Kurz bevor die Torte auf den Kaffeetisch kommt, schlagt ihr noch die Sahne für die Verzierung und füllt sie in einen Spritzbeutel mit Sterntülle. Löst die Torte aus der Form und verziert sie mit ein paar Sahnekleksen. Auf jeden dieser Klekse gebt ihr ein Amarettini oder auch je eine Himbeere - wie es euch lieber ist.



Ihr seht aber, dass das keine Torte ist, die man mal eben schnell machen kann, da sie sehr viel Ruhezeit benötigt. Von daher hätte ich das am Freitagabend oder auch Samstagmorgen gar nicht geschafft. Von daher an dieser Stelle ein großes Dankeschön an meine Mama :o)

Und hier hab' ich das (Grund-)Rezept gefunden: Magazin "Das Neue Blatt" von anno dazumal
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