Schreibzeit #3
Mein Blog – ein privates Tagebuch?

Dienstag, 24. März 2015

Mein Blog ist kein privates Tagebuch! Das kann ich ganz klar sagen.

Bine hat in ihrer März-Schreibzeit diese Frage gestellt und bisher sind sich da alle relativ einig. Allein, dass ich öffentlich schreibe, schließt das Wort "privat" ja schon einmal von vornherein aus. Wenn mein Blog privat wäre, könntest du diesen Beitrag nicht lesen, dann würde ich mir vermutlich auch gar keine Gedanken über die Schreibzeit machen, denn warum sollte ich die Frage nur für mich im stillen Kämmerlein beantworten? Das macht wenig Sinn!

Dann können wir die Frage also schon mal umformulieren: "Mein Blog - ein Tagebuch?". Aber auch das kann ich relativ klar mit nein beantworten.

Das erste Mal Tagebuch geschrieben habe ich vermutlich mit elf Jahren. Daran kann ich mich zumindest erinnern, könnte aber auch sein, dass ich schon früher mal geschrieben habe. Damals fanden Dinge Platz darin, wie Ärger mit den Eltern, tolle Ausflüge, wie süß man den einen Typen aus der Klasse fand, etc. Später waren es dann auch mal richtige Sorgen, die sich mit dem Erwachsenwerden einschleichen, wunderbare Reisen und immer noch die Sache mit dem süßen Typen, den man neulich in der Stadt getroffen hat - das ändert sich vermutlich nie ;o)



Im Januar 2005 hatte ich eine Zeit, in der ich bloggen wollte. Die Szene, in der sich die meisten von uns heute einordnen, gab es damals noch nicht und über Politik, Wirtschaft oder Weltprobleme wollte ich nicht schreiben. Ich wollte aber irgendwas im Internet machen, die (Schreib-)Energie loswerden und Rat bekommen. Damals habe ich nach einem Portal gesucht, auf dem man öffentlich Tagebuch schreiben kann. Fündig wurde ich bei myTagebuch.

Zu diesem Zeitpunkt gab es gerade sehr viel zu erzählen - im Nachhinein eine wundervolle Lovestory, bei der allerdings nicht klar war, wie und ob sie tatsächlich beginnen würde. Das musste ich loswerden, sonst wäre ich geplatzt! Warum nun aber nicht in meinem eigentlichen Tagebuch, das wohl verwahrt in meinem Zimmer versteckt lag? Gute Frage! Ich denke, es lag daran, dass ich Zuspruch von anderen haben wollte, da ich nicht wusste, ob die ganze Geschichte für mich ein Happy End haben würde. Ich wollte hören, dass es gut werden wird, dass ich da nur durch muss und dann alles ganz toll sein würde. Nur meine Worte auf Papier hätten mir das nicht geben können.

Allerdings hatte ich damals einen völlig absurden Benutzernamen und hab' natürlich niemandem davon erzählt. So ganz geheuer war mir das nämlich doch nicht. Ein Teil der Tagebuchschreiber haben ihren Freunden und Bekannten, über die sie schrieben, sogar Pseudonyme verpasst. Das hab' ich nicht, denn wenn ich über jemanden schreibe, der mir wichtig ist, möchte ich ihn nicht umtaufen müssen, dann wäre mir die Person zu fremd gewesen.

Anfangs war es wunderbar dort zu schreiben, mit anderen - Fremden - Sorgen, Ängste und auch Freude zu teilen. Vielleicht weil sie nicht sagen können: Typisch du! Irgendwann ist das ganze aber gekippt und ich habe gemerkt, dass ich nicht alles mit jedem teilen möchte. Ich will meine kleinen Geheimnisse haben, über die nur ich etwas weiß. Ich möchte träumen und mir Dinge wünschen können, ohne dass jeder gleich seinen (wenn auch liebgemeinten) Senf dazu gibt. Ich möchte auch mal über "verbotene" Dinge nachdenken können, ohne dass gleich der strenge Zeigefinger geschwungen wird. Ich möchte meine Wut einfach runterschreiben können, ohne dass es Konsequenzen hat. Plötzlich wurden mir all die Dinge, die ich loswerden wollte, viel zu privat. Ich wollte sie nicht mehr teilen und hab' als logische Folge mit dem öffentlichen Tagebuchschreiben aufgehört.

Zugegeben: Einige Jahre später habe ich es noch einmal versucht, nach drei Beiträgen aber festgestellt, dass es einfach nichts für mich ist. Dass ich nicht frei über meinte intimsten Gedanken schreiben kann, wenn ich weiß, dass andere mitlesen - ist ja nur natürlich! Von daher habe ich das vor einiger Zeit endgültig ad acta gelegt. Wahrscheinlich wurde mein Blog, den ich 2013 ziemlich blauäugig eingerichtet habe, eine Art Ersatz. Kein Tagebuch, das führe ich mittlerweile in Form linierter Moleskine-Softcover-Notizbücher im Pocketformat, sondern mehr ein Ort an dem ich Dinge teilen kann und mir Feedback wünsche.

Mein Blog ist also kein privates Tagebuch! Was aber ist es dann? Während ich das alles vorhin geschrieben habe, kam mir wirklich die Frage, wieso ich das überhaupt mache. Was erhoffe ich mir davon? Was bringt es mir? Was bringt es anderen? Ich bin mir gerade ehrlich gesagt überhaupt nicht sicher!



Anders aufgerollt: Ich liebe es kleine Gemischtwaren-Blogs zu lesen, auf denen man viele Themen findet: DIYs, Reiseberichte, Rezepte, Dekoideen, Handarbeiten, Geschichten aus dem Alltag und ähnliches. Genauso wie ich gerne abends durch die Straßen laufe und in hell erleuchtete Fenster schaue, nicht um die Leute zu beobachten, sondern um zu sehen, wie sie leben, wie sie ihre Wohnung eingerichtet haben. Ein Blick in den Alltag anderer ist einfach etwas sehr schönes. Zum einen, weil man sich Tipps und Anregungen fürs eigene Leben holen kann und zum anderen, weil man merkt, dass die meisten Menschen einfach nur ganz normal sind und man sich mit seinen Spleens und Macken nicht ganz so allein fühlt :o)

Ich wollte damals wahrscheinlich einfach irgendwie dazu gehören und habe an einem Tag im Mai einfach auch einen Blog eröffnet, ohne überhaupt zu wissen, worüber ich schreiben möchte. Dennoch habe ich festgestellt, dass das was ich zu erzählen habe, tatsächlich andere Menschen interessiert. Was mich ehrlich gesagt anfangs ziemlich irritiert hat, worüber ich mich aber mordsmäßig gefreut habe. Klar, habe ich auf Kommentare gewartet und tue es auch heute noch, denn nur für mich schreibe ich hier sicherlich nicht. Alles andere wäre gelogen, denn dann könnte ich es auch bei meinen Moleskine-Büchlein belassen.

Ich freue mich einfach, wenn ich die Fortschritte mit meiner Häkeldecke zeige und mir jemand sagt, dass sie toll aussieht. Ich finde es schön, wenn ich von Reisen erzähle und andere mit Fernweh anstecken kann. Es macht mich fröhlich, wenn mir jemand ,durch meinen Post inspiriert, seine Geschichte erzählt. Wenn ich mal mehr DIYs machen würde, würde es mich auch freuen, wenn andere die Idee toll fänden und nachmachen würden. Es ist einfach schön Dinge, die einem selbst Spaß machen, mit anderen zu teilen! Früher hat man es nur im Freundeskreis oder innerhalb der Familie getan - mit den ersten Grannys meiner Häkeldecke bin ich zum Beispiel auch ganz stolz zu meiner Mama und meiner Oma gelaufen, um sie ihnen zu zeigen. Heute hat sich der Aktionsradius durch das Internet nahezu unendlich vergrößert und wir teilen eben nicht nur mit Freunden und Verwandten, sondern mit allen anderen! Ist das nicht eine enorme Bereicherung?

Um noch mal auf die ursprüngliche Frage zurück zu kommen: Ich schreibe auch auf meinem Blog über private Dinge, sonst wäre es nicht authentisch, sonst wäre es nicht mein Blog, sonst wäre es nicht ich! Aber ich muss hier nicht all das erzählen, was ich in mein Tagebuch schreibe, sondern nur so viel wie ich möchte. Genauso schreibe ich in mein Tagebuch eher selten ein Rezept oder gebe Updates über meine Häkeldecke. So sind es doch zwei völlig verschiedene Arten zu schreiben und Geschichten zu erzählen, die ich beide sehr schätze :o)

Wie schaut es bei euch aus? Schreibt ihr Tagebuch? Besitzt ihr einen Blog? Wie unterscheidet ihr diese beiden Plattformen?

Kommentare:

  1. Schöne Gedanken zu diesem Thema! Ich selbst schreiben kein Tagebuch, nur einen kurzen "Momente-Kalender". Meinen Blog habe ich aus den selben Gründen eröffnet. Ich möchte meine Handarbeits-Freude mit anderen teilen :) Geteilte Freude ist doch auch doppelte Freude!
    Mach weiter so mit deinem Blog!
    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Ich hätte eigentlich immer viel zu viel aufzuschreiben in mein Tagebuch, da wäre ein "Momente-Kalender" viel besser. Klingt übrigens auch sehr schön :o) Ich schreiben alles viel zu detailliert auf, weil ich es einfach total schön finde, später noch mal all die Gedanken, Gefühle, Erlebnisse heraufzubeschwören, die ich damals bei einem bestimmten Ereignis hatte. Das Problem dabei ist dann nur, dass ich mit dem Schreiben gar nicht mehr hinterher komme. Da sollte ich wirklich lieber (wenigstens) die wichtigsten Momente festhalten.

      Stimmt! Freude verdoppelt sich immer, wenn man sie teilt - das ist super :o) Danke auch für die Motivation weiter zu machen mit dem Blog. Das ist schön zu lesen!

      Liebe Grüße und einen schönen Dienstagabend,
      Marina

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  2. Herzlichen DANK für Deinen langen und interessanten Beitrag zur
    #Schreibzeit! Von diesem MyTagebuch habe ich bis vor kurzem noch nie
    was gehört. Ich stelle es mir irgendwie seltsam vor, aber ich verstehe Deine
    damaligen Gründe.
    Ich blogge auch, weil ich einfach gerne dabei sein möchte und weil es mir
    Spass macht, Dinge zu zeigen... DIY, Gedanken, Gekochtes, ect.
    Liebe Grüße, Bine

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    1. Liebe Bine,

      myTagebuch ist nach wie vor eine sehr kleine Community. Es kamen zwar immer mal Leute dazu aber im Großen und Ganzen hat sich der Kernstamm der dort schreibenden Menschen kaum verändert. Es wird nie wirklich wachsen und sich auch nicht zu einer riesen Plattform wie Facebook oder ähnliches entwickeln. Es soll klein und intim sein und bleiben. Ich glaube deshalb ist es auch eher unbekannt. Für mich war es am Ende dann auch nicht das richtige, aber das muss jeder selbst entscheiden.

      Dein Blog gefällt mir auch gerade deshalb so gut, weil er so schön bunt gemischt ist und einfach aus dem Leben erzählt. Das mag ich sehr :o)

      Liebe Grüße und schöne Ostern,
      Marina

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